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08:16

Moderne Migranten streifen ihre frühere Identität nicht einfach ab, sondern ergänzen sie durch eine neue. Dabei sollte aus der starken Verbundenheit mit der alten Heimat nicht automatisch mangelnde Integrationsbereitschaft abgeleitet werden.

Allerdings steigt die Anziehungskraft von Religion und Nationalismus in dem Maße, wie die Aufnahmegesellschaft als fremd empfunden wird. Solche Fremdheitsgefühle resultieren nicht allein aus Diskriminierungs- sondern auch aus Demütigungserfahrungen, die mit der Herkunft zu tun haben.

Zwei Beispiele aus jüngster Zeit: Der Deutsche Bundestag hatte jedes Recht, einen Beschluss zum Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich zu treffen. Sehr viele hier lebende Türken fühlten sich dadurch indes in ihrer nationalen Ehre gekränkt. Jan Böhmermann hatte jedes Recht, seine gegen Erdogan gerichtete satirische Schmähkritik vorzutragen. Sehr viele hier lebende Türken fühlten sich dadurch jedoch mitgemeint und mitgetroffen.

Keiner weiß, wie viele Türken in Deutschland aus demonstrativem Selbstbehauptungswillen für Erdogans Verfassungsänderung gestimmt haben, nach dem Motto: Je fieser euer Spott, desto schmerzlicher soll euch unser Trotz treffen. Aber es dürfte kein Zufall sein, dass der türkische Präsident im Wahlkampf mit dezidiert antideutscher Rhetorik aufgetreten war, die offenbar verfing. Dauerhafte Geringschätzung überstrapaziert das Geflecht jeder Beziehung. Wer aus dem Abstimmungsverhalten der Türken in Deutschland eine Anklageschrift gegen sie ableitet, reißt in dieses Geflecht nur neue Löcher.

Nach dem Verfassungsreferendum: Der türkische Trotz straft den Spott der Deutschen - Politik - Tagesspiegel

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